Katzenallergie und Asthma bedeutet, die Katze oder Katzen abschaffen! Wirklich?

Katzenbesitzer, die eine Katzenallergie entwickeln und oben drauf noch allergisches Asthma bekommen, kennen diesen einen Satz, der mitten ins Herz geht und sich in die Magengrube bohrt, wenn er vom Arzt nach der Diagnose regelrecht ausgespuckt wird: „Sie müssen die Katze(n) abschaffen! Das ist die einzige Lösung!“ Diesen Satz habe ich in den 80er Jahren von meinem damaligen Hals,- Nasen,- Ohrenarzt zu hören bekommen und er hat mich tagelang in ein tiefes Loch gestürzt. 

Heute frage ich mich – schafft man auch Gräser, Bäume, Blumen, Hafer,- oder Roggenfelder und all die anderen Allergie verursachenden Auslöser ab? Nein. Natürlich nicht, weil es naturgemäß nicht geht. Auch Hausstaub kann man nicht abschaffen – der ist einfach da und selbst, wenn man sich nur noch mit dem Putzen der eigenen vier Wände beschäftigen würde, bekäme man die Milben auch nie weg. Schafft man deswegen die Wohnung ab? Selbst wenn die eigene Wohnung keimfrei wäre, dürfte man sich niemals außerhalb aufhalten, denn da lauern die kleinen Allergie machenden Viecher auch herum und warten nur darauf, Niesanfälle und juckende Augen zu verursachen. 😉

Ärzte machen es sich oftmals wirklich einfach, dem Katzenpersonal mal ganz salopp gesprochen „vor den Latz zu knallen“, man müsse seine geliebte Samtpfote aus der Wohnzone entfernen. Damit wäre wohl alles gut. Ist das wirklich DIE LÖSUNG? Geht es mir danach tatsächlich besser?

Okay, mal zurück zum Anfang. Das heißt in meinem Fall schlüpfen wir in die Karottenhosen der 80er Jahre. 🙂 Damals war bei mir schon eine Hausstauballergie bekannt war, die sich durch Augen jucken, Niesanfälle und Triefnase äußerte. Aber alles nicht so schlimm. Dann zog der Rotschopf Mico bei uns ein….Mico

Ein sanftmütiger, verschmuster und sehr kluger Kater, der Ende der sofort bei seiner Ankunft mein Herz eroberte. Er liebte es, Türen und Wasserhähne zu öffnen, legte sich bevorzugt schnurrend unter den Kopf seiner Dosis, spazierte gern über Dächer und brachte auch mal eine Fledermaus als Geschenk mit nach Hause. Also alles, was Katze so macht. 😉

 

Innerhalb der folgenden 2-3 Jahre entwickelte sich meine bis dahin noch recht harmlose Allergie so schlimm, dass ich zeitweise wegen Luftnot in der Notaufnahme gelandet bin, um dort mit einem Notfallmittel versorgt zu werden, um wieder atmen zu können.  Bis dahin ging ich immer noch von der Hausstauballergie aus. Ein erneuter Test (damals wurde es noch mit Allergen auslösenden Nasensprays gemacht) zeigte, dass ich nun zusätzlich noch gegen Gräser, Hafer, Roggen und Katzenhaare allergisch war. Mein damaliger Hals,- Nasen,- Ohrenarzt besprach mit mir das Ergebnis und legte mir mit klaren Worten nahe, die Katze abschaffen zu müssen. Damals war dies wie ein Stich in mein Herz, aber da ich jung und unerfahren war, meinem Arzt und seinem Urteil seinerzeit vertraute, suchten wir tatsächlich ein neues Heim für Mico. Selbst heute tut es mir in der Seele weh, diesen Weg gegangen zu sein.

Es folgte eine Desensibilisierung – nicht gegen Katzenhaare, sondern allein gegen Milben II (Hausstaub), die ich einige Jahre erhalten habe. Sobald ich jedoch mit Katzen in Berührung kam, was zwangsläufig passiert, wenn man sich nicht ganz in seinen eigenen vier Wänden abkapseln möchte, war einige Zeit später die Fahrt in eine Notaufnahme nötig, um mit einer Adrenalinspritze versorgt zu werden, die mich wieder atmen ließ.  Danach war die Welt wieder in Ordnung. 😉  (Anmerkung: Heutzutage werden übrigens andere Mittel gespritzt – sogenannte Beta-Adrenergika –  da Adrenalin starke Nebenwirkungen auf das Herz und Muskeln hat!)

Dann die Jahre, in der ich Katzen nur noch auf Bildern oder aus der Entfernung süß fand, aber sie wirklich, wirklich, wirklich nicht mehr anrühren mochte. Wenigstens war ich nicht mehr gegen meine Wollmäuse in der Wohnung allergisch. 😉 Die Jahre zogen ins Land und ich hatte das Gefühl. mit Vermeidung der Allergene ging es mir besser, bis ich die Allergie völlig weg geblendet habe. Wir landen im Jahr 2002, als ein Kollege mich fragte, ob ich seine dreibeinige Katze für eine Woche übernehmen könnte, da er Urlaub hätte, aber niemanden, der sich um den schnurrigen Süßen kümmern konnte. Nach 2 Tagen Dreibein in meiner Wohnung war es wieder Zeit, meine alten Freunde in der Notaufnahme zu besuchen. Meine positive Einstellung, die Allergie sei nach zig Jahren Katzen-Abstinenz verschwunden, wurde leider zunichte gemacht. Ja, verehrter Leser – mich in diesem Moment als ziemlich verträumt und naiv einzustufen, kann ich vom heutigen Wissensstand durchaus nachvollziehen. 😉 Den Rest der Woche haben der süße Dreibein und ich leider auf Abstand in meiner Wohnung verbringen müssen.

Wieder zogen einige Jahre ins Land und ich in einen anderen Ort. Mit einer schnöden Erkältung ging ich 2012 zum dortigen HNO, der meine verstopfte Schnupfnase schnell wieder ans Laufen brachte und mit mir bei einem Folgetermin über Allergien sprach. Da seit dem ersten Test lockere 30 Jahre vergangen sind, wurde nun ein erneuter Test gemacht, der folgendermaßen aussah…

Allergietest ErgebnisIch muss da wohl nicht viel zu sagen, oder? Der Arzt, wie auch sein Schwesternpersonal schauten sich staunend das Ergebnis an. Einige hatten so eine Vielfalt an Allergien noch nicht gesehen. Es gab kein Allergen bei der Testung, auf die ich nicht ansprach. Wo fängt man da denn noch an mit Hyposensibilisierung? Heutzutage geht das aber gut, indem man mehrere Gruppen zusammenfasst, diese in ein Fläschchen packt und dem Allergiker einige Jahre spritzt. Ich habe Frühblüher, Gräser und (auf eigenen Wunsch) Katze gewählt.

Übrigens durfte ich zwischen Pferd, Hund und Katze aussuchen. 😀

 

Ein Jahr später, also 2013 lernte ich meinen jetzigen Mann kennen. Und was soll ich sagen? Er brachte 3 süße schnurrende Katzen mit in die Beziehung. (Höre ich „auweia“ beim Leser? 😉 ) Die Beziehung wurde intensiver und zwangsläufig kam ich natürlich dann auch mal in die „Höhle des Löwen“, um am eigenen Leib zu testen, ob wir gleich in die Notaufnahme müssten oder die Katzen-Spritzen mittlerweile schon angeschlagen haben. Und NEIN, es war bei weitem nicht mehr so schlimm, wie noch vor Jahren. Die Monate vergingen und im Frühling 2014 machten wir Nägel mit Köpfen und ich zog in den Katzenhaushalt. Natürlich nicht, ohne dass wir vorher Maßnahmen ergriffen hätten, die unbedingt zu beachten sind, damit das Leben mit den Katzen auch für mich lebenswert bleibt. Und das sieht folgendermaßen aus:

  • Ein Zimmer muss unbedingt frei von Katzen bleiben. Und das sollte am besten das Schlafzimmer sein. Das bedeutet, die Tür bleibt zu – immer!
  • Wir ziehen uns immer um, bevor wir längere Zeit im Schlafzimmer verbringen, d.h. die „kontaminierten Kleidungsstücke bleiben draußen! Das bedeutet natürlich auch, mehr Wäsche waschen, aber ich finde es absolut okay
  • Sobald Kontakt mit den Katzen war, waschen wir uns die Hände. Immer und jedes mal – ohne Ausnahme
  • Das Katzenklo zu reinigen ist für mich normalerweise tabu. Sollte es mal gar nicht anders gehen, habe ich tatsächlich eine Atemmaske und Schutzhandschuhe, die ich für die Reinigung nehme. Das ist jedoch selten da im Katzenklo die meisten Allergene ihr Unwesen treiben
  • Für die Katzenhaare nutze ich den Paku-Paku. Damit bekommt man super schnell so ziemlich alle Haare aus Decken und Kissen, was mit dem Staubsauger kaum möglich ist. Wirklich zu empfehlen
  • Ich sauge täglich, um möglichst wenigen Katzenallergenen Platz zu bieten, sich bei mir breit zu machen

Sicher kann man die Liste in vielen Punkten weiter führen. Welchen Aufwand man betreibt, um trotz Allergie mit Katzen in Kontakt bleiben zu können bleibt jedem selbst überlassen. Mir persönlich reicht es jedoch, da ich in der Tat nicht einmal, seit ich hier wohne, wegen allergischer Atemnot in die Notaufnahme musste.

176355_Kittelschuerze_originalVielleicht hat es auch mit einem Schuss positiver Einstellung zu tun, denn mal ehrlich – wenn man sich meine Allergien alle anschaut – dürfte ich eigentlich nur noch unter einem Sauerstoffzelt leben. Sollte es eines Tages schlimmer werden, so kaufe ich mir mal eine „Kittelschürz“! (Kleiner interner Scherz, was wir uns schon alles überlegt haben, damit ich Kontakt zu unseren süßen Samtpfoten haben kann…)

Was ich jedoch aus meiner persönlichen Odyssee gelernt habe. Ich sage am besten keinem relevanten Arzt etwas über die Katzen. Komischerweise sind sie immer noch der Meinung, man müsse Katzen abschaffen, um eine Allergie zu überwinden. Fakt ist jedoch, durch die Sensibilisierung wurde es bei mir besser, genau so wie der Kontakt zu Hausstaub, Gräser, Frühblüher oder anderen Substanzen. Und nochmal: Schafft man diese alle ab? NEIN! Und deshalb habe ich mich dazu entschlossen, meiner Passion als Dosi und Personal für unsere Samtpfoten da zu sein, mit ihnen zu leben und zu leiden. Denn auch Katzen können Allergien haben. Schaffen sie deshalb Menschen ab? 😀

Mir ist bewusst, dass es Menschen geben wird, die meine Beweggründe nicht nachvollziehen können. Aber diejenigen, die es können oder sich auch immer wieder fragen, ob sie sich trotz Allergie eine Katze zulegen sollten, beantworte ich auch gerne Fragen in dieser Richtung. Wichtig ist doch nur, dass man mit dem glücklich ist, was man tut und das bin ich durch und durch, wenn ich meine 3 (bald 4) Fellnasen so nah erleben darf.

In diesem Sinne – Leben und leben lassen – dann wäre die Welt schon etwas friedlicher…. 😉

Herzlichst das Servicepersonal

 

1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars (2 votes, average: 5,00 out of 5)
Loading...

[contact-form-7 id=“864″ title=“Kontaktformular 1″]

 

 

Kommentar hinterlassen